
Wir leben in Wechelwirkung zu einer wirksamen Struktur, die von der sichtbaren Welt überlagert wird. Akzeptieren wir die materielle Welt als die einzig wahre, entgeht uns ein Zugang zur Welt, weil für die unbewusste Wirkung dieser strukturierten Schicht auf unser Denken, Fühlen und Sein keine Worte gefunden werden können.
Philosophie und Religion haben unterschiedliche Konzepte dieser Wirksamkeit im Sein entwickelt. In der Alltagssprache sagen wir oft, dass ein Ort eine bestimmte Atmosphäre habe – etwas, das auf unser Befinden wirkt, ohne dass wir eine konkrete Ursache dafür benennen können.
Unabhängig davon, ob wir diesen subkutanen Bereich des Seins wahrnehmen wollen oder nicht, schlägt sich diese atmosphärische Schicht in unserem Handeln nieder. Menschliches Handeln wird zur Folge einer unbewussten Kraft.
Dabei scheint es, als suche diese atmosphärische Schicht nach Ausgleich. Wenn man genau hinsieht, erkennt man ein fragmentiertes Bild. – So wie die reale Welt nie vollkommen ist und kein harmonisches Ganzes bildet, ist die atmosphärische Schicht einem Flickenteppich ähnlich, dessen Muster ungleichmäßig, unterbrochen oder gar zerstört sein können.
Es übersteigt unserem Vermögen, den Sinn dieser Schicht zu bestimmen. Jedoch kann unser Sensorium zu einem Gradmesser für die Intensität ihrer Kräfte werden und erkennen lassen, dass die Schicht nach Ausgleich strebt. So wie eine Eruption Material nachzieht, hat auch die Schicht eine Sogwirkung. – Individuelle Ausprägungen, Muster oder Defizite finden passende Individuen, die in Muster oder Strukturen der Schicht hineingezogen werden.
Die Schicht ist ein Interaktionsmerkmal der Welt, eine Art Leinwand unserer Möglichkeiten, die beschrieben und verändert werden kann.
Die Schicht ist aber nicht das Unbewusste, sondern ihre Wirkung ist unbewusst. Paradoxerweise nimmt mit zunehmendem Selbstbehauptungswillen des bewussten Ichs diese Wirkung zu – ganz so, als würde ein mit hochgerecktem Haupt wandelndes Ich nicht merken, auf welchem Boden es geht.
Wir können aber ein untrügliches Gefühl bei der Wahl der atmosphärischen Schicht ausbilden. Kinder haben dieses Gefühl von Natur aus. Sie meiden jede unangenehme Atmosphäre – jene Bereiche der zerstörten Schicht, die das Ergebnis negativer Handlungen sind. Für sie ist mit Händen greifbar, was Erwachsne trotzig und selbstgewiss übergehen.
Noch lange danach können Kinder ein Unglück wahrnehmen, das, längst vollendet, noch anzudauern scheint, weil eine Lücke in den Weltbezug gerissen wurde, die nach Ausgleich und Harmonisierung strebt.